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  • AutorenbildDagmar Achleitner

Unser Baby ist gestorben: Was sage ich bloß meinem Kind?

Wie Eltern die Trauer um ihr Sternenkind gemeinsam mit ihren Kindern bewältigen


Der Verlust eines Babys ist eine der schmerzlichsten Erfahrungen, die Eltern durchleben können. Neben der eigenen Trauer stehen viele Mütter und Väter vor einer weiteren Herausforderung: Wie erkläre ich meinem Kind, was passiert ist? Wie können wir als Familie gemeinsam trauern?


Sternenbabys geheim halten oder nicht?

Für Katharina und ihren Ehemann war es selbstverständlich, ihre dritte Schwangerschaft, die in einer Fehlgeburt endete, den anderen Kindern nicht vorzuenthalten. Das dritte Kind, das Sternenkind, sollte seinen Platz in der Familie haben.


Andere Eltern hingegen entscheiden, dass ihr Kind noch zu jung ist, um zu verstehen, was passiert ist. Wenn das Kind noch nichts von der Schwangerschaft wusste, kann die Fehlgeburt vor dem Kind geheim gehalten werden. Bei einer späten Fehlgeburt, einer Totgeburt oder einem Neugeborenentod empfehlen Psychologinnen und Psychologen, das Kind über den Tod des Babys aufzuklären. Das Kind war in die Vorbereitungen für das Geschwisterchen eingebunden und hatte je nach Alter bestimmte Erwartungen und Bilder im Kopf.


Der Verein Regenbogen Österreich, der Hilfestellung bei glücklosen Schwangerschaften bietet, bezieht eine klare Stellung:

„Kein Kind ist zu klein, um die Wahrheit zu erfahren. Kinder haben sehr feine Antennen und spüren, dass etwas nicht in Ordnung ist. Es ist wichtig, dieses 'nicht in Ordnung' zu erklären.“

[Wenn du wissen willst, wie Katharina und ihr Ehemann ihren Kindern kindgerecht von der Fehlgeburt und ihrem Sternenbaby erzählt haben, kannst du das hier nachlesen: Unsere Kinder wissen von unserem Sternenbaby]


Ehrliche und kindergerechte Kommunikation

Aber was sagt man bloß seinem Kind? Psychologinnen und Psychologen empfehlen, den Tod des Babys ehrlich und kindgerecht zu erklären. Statt sich in beschönigenden Metaphern zu verlieren, sollten klare Worte wie tot oder gestorben verwendet werden. Auf diese Weise können Missverständnisse vermieden werden. Umschreibungen wie „das Baby ist eingeschlafen“ sollten nicht benutzt werden, um keine Angst vor dem Einschlafen zu schüren.


Indem wir unseren Kindern die Wahrheit mitteilen, schaffen wir eine Basis des Vertrauens und geben ihnen die Möglichkeit, ihre Fragen zu stellen. Besonders wichtig ist nachzufragen, was das Kind verstanden hat und auf die Fragen der Kinder einzugehen. Es ist in Ordnung, dem Kind zu vermitteln, dass auf manche Fragen selbst Erwachsene keine Antwort wissen. In solchen Momenten können Eltern mit ihren Kindern gemeinsam überlegen, wie eine Antwort lauten könnte.


Du bist nicht schuld!

Kinder glauben manchmal, in irgendeiner Weise Schuld zu sein an dem, was geschehen ist. Psychologinnen und Psychologen betonen daher, wie wichtig es ist, dem Kind zu vermitteln, dass es keine Schuld am Tod des Babys oder an der Traurigkeit der Eltern trägt.


Über Gefühle sprechen

Kinder spüren und nehmen mehr wahr als wir denken. Sie merken, wenn Eltern traurig oder durcheinander sind, selbst wenn sie sich bemühen, es zu verbergen. Wenn wir unsere eigenen Gefühle leugnen oder sagen, dass alles in Ordnung ist, dann wissen Kinder nicht, was sie glauben sollen. Stimmt das, was sie spüren oder das, was ihnen gesagt wird?


Indem wir über unsere Trauer und Gefühle sprechen, fungieren wir als Vorbild und zeigen unseren Kindern, dass es in Ordnung ist, Gefühle auszudrücken. Mütter und Väter können ihren Kindern altersgerecht erklären, wie sie sich fühlen und mit ihnen über ihre eigenen Gefühle sprechen. So können sie ihren Kindern begreiflich machen, dass Trauer und Schmerz natürliche Emotionen sind.


Buchempfehlungen für die Trauerarbeit mit Kindern

Es gibt verschiedene Kinderbücher, die Eltern unterstützen können, den Verlust eines Geschwisterchens zu erklären und zu verarbeiten. Hier sind einige Empfehlungen:



„Leben mit unserem Sternenkind“

von Nicole Baumann-Kolonovics, Heike Wolter und Birgit J. Tomayer

Dieses liebevoll illustrierte Bilderbuch hilft Familien, Sternenkinder im Alltag sichtbar zu machen. Es erzählt von Omas und Opas, die Bäume für das Sternenkind Tilda pflanzen, von Steinen, die auf Reisen gehen und von Blättern, die als Symbole der Liebe gesammelt werden. Neben einfühlsamen Geschichten enthält es Inspirationen für Rituale, die Familien dabei unterstützen, ihre Trauer auszudrücken und den verstorbenen Sternenkindern einen festen Platz im Herzen zu geben.


„Lilli ist ein Sternenkind“

von Heike Wolter und Regina Masaracchia

Lilly, die kleine Schwester von Elias und Malin, soll bald geboren werden. Doch die Geschichte nimmt eine traurige Wendung, als Lilly unerwartet stirbt. Dieses einfühlsame Kindersachbuch widmet sich der Trauer von Geschwistern eines Sternenkindes und beleuchtet den Alltag nach einem solchen Verlust. Das Buch bietet nicht nur unterstützende Tipps, sondern auch Anregungen und Fragen speziell für Kinder sowie weiterführende Erklärungen für Erwachsene zum Thema Sternenkinder, Trauer und Trost.




„Vergebliches Warten - Familie Vogel und der Abschied für immer“

von Verena Herleth

„Konnte man sterben, bevor man geschlüpft war?“ Familie Vogel freut sich auf ihr kleines Piepvögelchen, das bald schlüpfen soll. Doch als es nicht überlebt, überkommt die Familie tiefe Trauer. Sie beschließen, ihrem toten Piepvögelchen vor dem Abschied die Schönheit der Vogelwelt zu zeigen. Diese farbenfroh illustrierte Geschichte vermittelt Kindern ab 3 Jahren, wie man trotz großer Trauer neue Hoffnung schöpfen kann. Begleitende Anregungen erleichtern kleinen und großen (Vor-)Lesern eine Annäherung zum sensiblen Thema Tod.


„Kinder trauern bunter“

von Stella Reichmann

Dieses Buch stellt die Trauer der Kinder in den Mittelpunkt und sensibilisiert Eltern, einen guten Umgang damit zu finden. Neben Theorie und Praxis zu Themen wie „Trauerphasen bei Kindern“, „Wie stellt sich mein Kind den Tod vor und was kann ich tun?“ finden sich hier Hoffnungsrituale, kreative Zugänge und Interviews von Betroffenen und Therapeuten.











Achtsame Begleitung

In herausfordernden Zeiten ist es normal, dass Eltern unsicher sind. Doch durch liebevolle Kommunikation, Verständnis und achtsame Begleitung können wir unseren Kindern helfen, ihre Emotionen zu verstehen und zu verarbeiten.


Es geht nicht darum, alles richtig zu machen, sondern darum, da zu sein und gemeinsam den Weg der Trauer zu gehen – Schritt für Schritt, Seite an Seite.


Auszug aus dem Kartenset: Für immer verbunden mit deinem Sternenkind

63 Impulskarten für dich und deine Trauer





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