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  • AutorenbildDagmar Achleitner

Gestern war ich noch schwanger

Warum es wichtig ist, über Fehlgeburten zu sprechen


„Ihr Baby hat sich leider nicht weiterentwickelt“. Diesen Satz werde ich wohl nie vergessen. Von einem Moment auf den anderen ist alles anders. Jede dritte Frau erlebt eine Fehlgeburt. In etwa 80 Prozent aller Fehlgeburten ereignen sich in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft. Mehr als die Hälfte der Betroffenen erhalten die Diagnose „Missed Abortion“. Das bedeutet, dass der Fötus nicht mehr lebt, sich aber noch in der Gebärmutter befindet.


Die Diagnose, dass das Baby keinen Herzschlag (mehr) hat, ist ein Schock, da sie völlig aus dem Nichts kommt.

Nachdem ich die traurige Diagnose erhalten hatte, klärte mich meine Wahlärztin über meine Möglichkeiten auf. Besonders wertvoll war der Satz: „Überlegen Sie sich alles in Ruhe und kommen Sie dann einfach wieder.“


In vielen Fällen raten Gynäkologen unmittelbar zu einer Kürettage

Das kann für die Betroffene die richtige Entscheidung sein, es gibt aber auch andere Wege, die oftmals unerwähnt bleiben. Viele Frauen berichten, dass sie nicht über die Alternativen zur Kürettage informiert wurden, dass sie kaum Informationen erhalten oder sich von der Überweisung ins Krankenhaus überrumpelt gefühlt hatten. Im Moment des Schocks sollte keine Entscheidung getroffen werden müssen.


Verschiedene Studien zeigen, dass Frauen die Fehlgeburt besser verarbeiten können, wenn sie klare Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten erhalten, d.h. wenn sie eine informierte Wahl zum weiteren Vorgehen treffen können.

sanftloslassen.at bietet Informationen

Im Namen meines Sternenkindes habe ich das Projekt sanftloslassen.at ins Leben gerufen. Die Website informiert über die Diagnose Missed Abortion und die drei Möglichkeiten: Kürettage, medikamentöse Ausleitung und natürlicher Abgang. Keine der Optionen ist per se besser oder schlechter. Zu wissen, was jede Möglichkeit genau bedeutet und was zu erwarten ist, kann bei der Entscheidung helfen, welcher Weg für die Betroffene am besten ist.


Eine Kürettage ermöglicht der Frau, im Krankenhaus, also an einem geschützten Ort, zu einem konkreten Zeitpunkt unter Betäubung die Schwangerschaft zu beenden. Viele Frauen, die sich für die sogenannte „kleine Geburt“ (mit Medikamenten oder auf natürlichem Weg) entscheiden, empfinden es als positiv, diese Erfahrung zuhause erleben zu können. Auf diese Weise können sie bewusst Abschied nehmen. Zudem lässt sich oftmals ein chirurgischer Eingriff unter Narkose vermeiden. Für andere ist es eine traumatische Erfahrung, ihr totes Baby zuhause zu gebären, Komplikationen können auftreten und die Betroffene muss dennoch ins Krankenhaus. Manchen Frauen ist es wichtig, dem Körper auf natürlichem Weg Zeit zu geben, anderen fällt es schwer, abzuwarten und nicht zu wissen, wann die Blutung beginnen wird.


Vierseitiges Infosheet in verschiedenen Sprachen

Wie mag es wohl einer Betroffenen mit nichtdeutscher Muttersprache ergehen, die überrumpelt von der Diagnose nicht genau versteht, was nun auf sie zukommt? Daher soll das 4-seitige Infosheet auf der Website künftig in verschiedenen Sprachen zur Verfügung stehen. Wer das Projekt mit einer Übersetzung unterstützen möchte, ist herzliche eingeladen. Ziel ist es, dass möglichst viele Frauen Informationen zu diesem sensiblen Thema in ihrer Sprache lesen können.


Wege, um mit der Trauer umzugehen

Für mich war klar, dass ich den natürlichen Weg gehen möchte. Auch wenn es länger als vermutet gedauert hat, mein physischer Prozess des Loslassens hat meinen emotionalen Prozess begleitet. Auf der Website teile ich meine persönliche Geschichte und Möglichkeiten zur Trauerbewältigung.


Die Trauer nach Fehlgeburten ist oft eine stille, unverstandene Trauer.

Da Fehlgeburten immer noch ein Tabuthema sind, leiden viele Betroffene im Stillen.


Das kann sich ändern, indem mehr Bewusstsein für dieses Thema geschaffen wird und mehr darüber gesprochen wird.

Auf einen Schwangerschaftsverlust angemessen zu reagieren ist schwierig. Jede Frau empfindet etwas anderes als unterstützend. Zudem ist es nicht leicht, das unangenehme Gefühl auszuhalten, wenn man in die traurigen Augen einer Betroffenen blickt. Die Angst, etwas Falsches sagen zu können und deshalb besser nichts zu sagen, verstärkt das Schweigen.


Wenn wir bei traurigen Nachrichten im Allgemeinen auf die gutgemeinten Floskeln verzichten, wir nachfragen, zuhören, zulassen und nicht ausweichen und wir dem anderen Raum geben, sich in seiner Trauer zu öffnen und zu zeigen, können wir andere auf ihrem Weg der Heilung unterstützen (Blogbeitrag: Warum die nett gemeinten Ratschläge nicht wirklich weiterhelfen).


Mut machen

Mit meiner eigenen Geschichte möchte ich Frauen auch Mut machen. Mit 41 Jahren wurde ich bereits nach dem ersten Zyklus nach der Fehlgeburt wieder schwanger und bin nun Mama eines Sternenkindes und eines gesunden Jungen. In Zukunft möchte ich Frauen in ihrer Trauer und am Weg zu ihrem Regenbogenbaby begleiten.


Mag. Dagmar Achleitner

Psychologin und Mentaltrainerin

www.sanftloslassen.at

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